Schweinehaltung: In Tierwohl investieren und wirtschaftlich profitieren

Aktualisiert: 18. März 2021


Tierwohl / Wirtschaftlichkeit

Das Wohlbefinden der Schweine verbessern und dadurch die Wirtschaftlichkeit deines Betriebs steigern !


Ist das überhaupt möglich ?

Dieser Beitrag resultiert aus dem Interview mit einem renommierten Tierarzt, Landwirt und Schweineexperte und soll dir dabei helfen, das Wohlbefinden und die Gesundheit deiner Schweine zu verbessern um dadurch die Wirtschaftlichkeit deines Betriebs zu steigern.



Unterschied zwischen Schweinen und anderen domestizierten Tieren wie Rinder, Hühner, etc.

Tierwohl

Anders als man es vermuten mag, haben Schweine, im Vergleich zu anderen Nutztieren, ein sehr ausgeprägtes Hygieneverhalten, sie sind von Natur aus hygienische und saubere Tiere. Zum Beispiel versuchen Sie möglichst weit weg vom eigenen Nest zu koten und zu urinieren. Weiters sind Schweine sehr erkundungsfreudig und suchen oft nach neuen Gegenständen und ähnlichem.





Das natürliche Verhalten der Schweine berücksichtigen

Getrenntes Koten und Urinieren

Es ist wichtig, dass die Schweine weit genug von ihrem Liegebereich an unterschiedlichen Stellen Koten und Urinieren können.

Durch die in Österreich erlaubten Vollspaltböden wird jedoch das Koten und Urinieren zusammengelegt, was zu Problemen führt.

Die ansonsten hygienischen Tiere sind aufgrund dessen, entgegen ihrem natürlichen Verhalten, sehr verschmutz.

Weiters entsteht durch das zusammenführen von Kot und Urin Ammoniak, welches Tier, Mensch und Umwelt Schäden zufügt.

Spaltenböden bieten zwar arbeitswirtschaftliche Vorteile, aber dies auf Kosten des Tierwohls und der Tiergesundheit.

Durch eine Art Schweinetoilette welche aus zwei Bereichen besteht, einmal fürs Urinieren und einmal fürs Koten, lässt sich dieses Problem verhindern. Mit Hilfe von Belohnungen bzw. einem Belohnungssystem lernen die intelligenten Tiere innerhalb weniger Tage welcher Bereich wofür ist. Die Vorteile darin sind saubere Tiere, keine Ammoniakbildung und die Möglichkeit Urin und Kot getrennt zu sammeln und getrennt als Dünger zu verwenden.


Wasserversorgung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wasserversorgung. In vielen Fällen gibt es zu wenig Nippeltränken und die Durchflussrate der vorhanden Tränken ist zu gering. Dies führt dazu, dass sich die Schweine extrem anstrengen müssen und dennoch zu wenig Wasser bekommen. Ihren Frust darüber lassen sie dann in vielen Fällen an ihren Artgenossen mittels Schwanzbeißen aus.


Stroh als Einstreu

Schweinehaltung

Ein oft unterschätztes und aufgrund der Mycotoxien-Belastung viel diskutiertes Thema ist Stroh als Einstreu.

Dieses ist für die Tiere jedoch sehr gut, da sie im Stroh ihrem Erkundungsdrang nachgehen können. Weiters ist es ideal für den Liegebereich der Schweine geeignet.







Vorteile der biologische Schweinehaltung ?

Durch den vorgeschriebenen Außenbereich können sich die Schweine in unterschiedlichen Klimabereichen aufhalten und haben mehr Ablenkung, da sie draußen mehr erkunden und wühlen können.

Das zusätzliche Platzangebot in der Biohaltung ist zwar in Stresssituationen oder heißen Sommertagen definitiv ein Vorteil für die Schweine, doch sofern es den Schweinen allgemein gut geht, ist das größere Platzangebot gar nicht so entscheidend für das Wohl der Tiere.

Weiters wäre es von Vorteil, wenn laktierende Sauen und Ihre Ferkel Zugang zur Weide hätten. Dadurch können die Ferkel zusätzliches Eisen über den Sand aufnehmen und somit einem potenziellen Eisenmangel vorbeugen. Dadurch lassen sich auch Probleme mit Streptokokken besser vermeiden.


Kastration

Am besten ist es die Tiere nicht zu kastrieren, es zerstört die körperliche Integrität der Tiere. Selbiges gilt für das Kupieren der Schwänze.

Daher wäre es von Vorteil auf beide Maßnahmen zu verzichten, am besten funktioniert dies, wenn man die Tiere mit ca. 70kg schlachtet.

In diesem Alter entwickeln die Schweine noch keinen unerwünschten Ebergeruch. Auch das Kupieren der Schwänze ist überflüssig, wenn das Wasser- und Futterangebot stimmen und das Haltungssystem grundsätzlich in Ordnung ist.

Der Ringelschwanz ist ein wichtiges Organ für die Schweine, um etwa ihr Wohlbefinden auszudrücken.

In Tierwohl investieren und wirtschaftlich profitieren

Profit steigern

In Tierwohl zu investieren bedeutet in Tiergesundheit zu investieren. Unter optimalen Voraussetzungen sind Schweine weniger anfällig und müssen daher seltener behandelt werden. Neue Studien zeigen, dass sich durch die bessere Gesundheit bei artgerechter Haltung auch die Tageszunahme erhöht. Das bedeutet, dass Investitionen in Tierwohl auch der Wirtschaftlichkeit eines Betriebs zu Gute kommen.





Planung eines neuen Stalls

Der Bau bzw. Umbau eines Stalles muss immer sehr individuell betrachtet werden, daher ist es wichtig sich sehr intensiv beraten zu lassen.

Weiters ist es wichtig in die Zukunft und nicht in der Gegenwart zu denken, denn heutige Standards könnten in 5 Jahren bereits veraltet sein. Aus diesem Grund ist es von Vorteil das innere des Stalles sehr flexibel zu gestallten, somit hat man die Möglichkeit in späterer Folge mit möglichst geringem finanziellen Aufwand auf das Tierwohl oder politischen Vorgaben zu reagieren.


Das optimale Haltungssystem für das Wohlbefinden der Tiere

Direktvermarktung

Die Freilandhaltung ist das ideale System wenn es um Tierwohl und Gesundheit geht. Wenn man es gut umsetzt gibt es auch kein Probleme mit Salmonellen, Toxoplasmosen und anderen Keimen.











Zum Nachlesen

Unter dem folgenden Link findest du ein PDF Informationsblatt der Landwirtschaftskammer Oberösterreich zur biologischen Schweinehaltung:

https://www.lko.at/media.php?filename=download%3D%2F2017.09.01%2F1504268726010465.pdf&rn=Schweinehaltung%20am%20Biobetrieb.pdf


Unter folgendem Link findest du das original Interview:


https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/tier/grundlagen-tierhaltung/artgerechte-tierhaltung/tierwohl-in-der-schweinehaltung-verbessern/

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