Gänse als lukrativer Nebenerwerb

Gänse halten, vom Gössel bis zur Schlachtgans

Gänsehaltung

Gänse eignen sich ganz besonders für den landwirtschaftlichen Nebenerwerb sowie in Direktvermarktung und lassen sich gut mit überwiegend betriebseigenem Futter aufziehen. Allerdings müssen in Bezug auf Haltung, Gösselaufzucht, Auslaufgestaltung und Fütterung einige Dinge grundlegend beachtet werden. Gänse in Direktvermarktung können bei entsprechender Arbeit zu einem lukrativen Nebenverdienst werden. Traditionell wird die Gans an St. Martin und Weihnachten gegessen, die Schlachtkapazitäten sind knapp und der größte Verdienst ist mit Frischware zu erzielen. In diesem Beitrag sollen Kriterien zur Direktvermarktung von Gänsen aufgezeigt werden, insbesondere sollen Betriebe mit Weideflächen und Standorte mit Grünland angesprochen werden.


Der Auslauf

Gänse

Gänse sind Pflanzenfresser, daher lohnt sich die Haltung nur, wenn den Tieren ein ausreichender Grünauslauf gewährt wird. Wenn auf einem Hektar nicht mehr als 100 Gänse gehalten werden, bleibt die Grasnarbe erhalten. Sollen Schlachtgänse gemästet werden, können bis 250 Stück je Hektar gehalten werden, ohne dass die Grasnarbe leidet. In den Intensivregionen der Gänsemast werden oftmals 1.000 Gänse je ha LF gehalten, hier leidet die Grasnarbe am Ende der Vegetationsperiode erheblich und die Fläche ist bei Schlachtreife „schwarz“. Laut österreichischem Tierschutzgesetz müssen je Gans zehn Quadratmeter Auslauf angeboten werden. Bei den Weidegansbetrieben hingegen werden je nach Ertragskraft der Weiden und der Niederschlagsituation deutlich mehr, nämlich 80 bis 150 Quadratmeter pro Gans, an Weidefläche angeboten.

Das Grünland sollte Schattenstellen aufweisen, auch ein Stall zur Übernachtung der Gänse wäre von Vorteil.

Auch Flächen mit Maisschläge sind bevorzugte Gänseausläufe. Unbewachsene Flächen ohne Beschattung bzw. Sonnenschutz sind abzulehnen. Schwimmwasser ist für die Gänsehaltung nicht notwendig jedoch in Bezug auf das Tierwohl empfehlenswert, offenes Tränkewasser in KG-Rohren in den Ausläufen sind jedoch zweckmäßig. An sonnigen, trockenen und warmen Tagen sind die Gänsegössel schon ab der 1. Woche stundenweise an die am Stall gelegene Auslauffläche zu gewöhnen.


Der Tierbezug


Wenn Weihnachtsgänse als Frischware vermarktet werden sollen, dann sind die Gössel ab Mai bis Ende Juni einzustallen. Ein bis zwei Tage alte Gössel sind empfehlenswert, da diese Tiere nicht scheu sind sich leicht an den Tierpfleger und an den Stall prägen lassen. Ältere, 3 Wochen alte Gänse, können sehr schreckhaft sein und da die Gans sensibel ist, werden meistens Gänse vor der Prägung bevorzugt. Die gesamte Gänsemast dauert 16 bis 24 Wochen. Man kann sich also leicht ausrechnen, wann die Gänse am besten eingestallt werden sollen.


Die Fütterung


Die einfachste Fütterung der Gössel ist mit handelsüblichen Gänse- und Entenfutter aus dem Landhandel. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass das Futter frei von Kokzidiostatika ist. Begonnen wird mit Enten-/ Gänsestarterfutter und in der 2. Lebenswoche wird auf Entenaufzuchtfutter umgestellt.

Als erstes Futter für die Eintagsküken wird gekrümeltes Weißbrot mit zerkleinerten, hart gekochten Eiern empfohlen. Zusätzlich wird zerkleinertes Grünzeug aus Vogelmiere, Löwenzahn und Brennnesseln verabreicht. Eine zusätzliche Möglichkeit zur Fütterung der Gänse ist, sich das Aufzuchtfutter selbst herzustellen. Die Grundmischung besteht aus Weizen, Gerste, Mais, die Eiweisskomponenten könnten Bierhefe, Sojaextraktionsschrot, Sonnenblumenextraktionsschrot oder auch Molkenpulver bzw. Kartoffeleiweiß sein. Die Staubbindung wird durch 1 – 2 % Sojaöl erreicht. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zu gleichen Teilen Legehennenalleinmehl und Getreideschrot mit 1 % gutem Pflanzenöl zu vermengen. Bei ausreichend Grünfutter, welches auch in den ersten Tagen im Stall verabreicht werden kann, erhalten die Jungtiere genügend Vitamine und Mineralstoffe. Angekeimtes Getreide ist ein zusätzlicher „Geheimtipp“.

Nach einer Aufzuchtperiode von 3 bis 4 Wochen werden die Gänse tagsüber auf die Weide gelassen und sollten nachts eingesperrt werden. Als abendliche Fütterung erhalten die Gänse je nach Alter und Ergiebigkeit der Weide 100 g bis 200 g einer Getreidemischung. Das Futter darf weder verdorben noch verschimmelt sein.

Getreide reicht normaler Weise als Futter aus. Kohlenhydrate sind aureichend im Getreide vorhanden und das benötigte Eiweiß kommt vom Grünaufwuchs. Weiden könnten als Portionsweide für die Gänse genutzt werden. Die portionsweise Zuteilung kann mit einer Umzäunung aus Elektroknotengitter realisiert werden.

4 bis 6 Wochen vor der Schlachtung sollte mit der Endmast begonnen werden. Die Futtermenge ist dann bis zu 400 g je Tier und Tag zu erhöhen und dies kann mit der gewohnten Getreidemischung, einem Putenfinisher oder einem Hähnchenendmastfutter (immer ohne Kokzidiostatika) gegeben werden. Eine gute Eigenmischung wie oben beschrieben hätte bestimmt auch einen guten Masterfolg bei Gänsen. Die Mastgänse brauchen ihren gewohnten Auslauf und ihre gewohnte Umgebung. Bitte die Gänseherde in der Endmast niemals umstallen, trennen oder Einzeltiere herausschlachten! Die Tiere reagieren sehr sensibel und nehmen hierdurch eher an Gewicht ab als zu. Die Tiere hören auf zu Fressen und trauern.


Der Gänsestall


Stall

In den meisten Fällen kann während der Gänsemast eine Unterbringung im Stall notwendig werden. Der Stall kann eine Scheune oder ein Altgebäude sein, zu dem luftdurchlässig sowie fuchs- und mardersicher. Es werden maximal zwei Gänse je m2 Stallbodenfläche in der Endmast empfohlen. Bei geringem Weideangebot kann die Gans auch mit Grassilage und Maissilage zugefüttert werden. Hierbei kann der Gans das Grundfutter in Raufen im Auslauf oder im Stall gereicht werden.


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